DAS HOFMUSIKERHAUS

und seine lange Geschichte

Es gibt viele geschichtsträchtige Häuser in Berchtesgaden, das Hofmusikerhaus am Finkenstein zählt zweifelsohne zu ihnen. Schon die prominente Lage am Sonnenhang vom Markt Berchtesgaden mit einer einmaligen Aussicht über das Ortszentrum mit seinen historischen Gebäuden und die umliegende Bergwelt des Nationalpark Berchtesgaden sind unvergleichlich. Aber auch das denkmalgeschützte Haus an sich hat viele Besonderheiten zu bieten. So wurde es direkt an den Felsen des Finkenstein gebaut und hat somit nur drei Außenwände. Der Felsen im Inneren, der als Rückwand fungiert, ist in allen drei Stockwerken sichtbar und sorgt für eine ganz besondere Atmosphäre und kommt einer natürlichen Klimaanlage gleich. Aber auch die alten Tramdecken aus dem Jahr 1631, die wunderschönen Türen und die für ein altes Haus erstaunlich großen Fenster tragen zum Charme des Hofmusikerhauses bei.

Woher stammt die Bezeichnung Hofmusikerhaus?
Die nachgewiesene Geschichte des Hauses am Finkenstein beginnt im Jahr 1596 mit dem damaligen Bewohner Hans Frech der als Stiftsmusiker und Kirchensänger tätig war. Eine in den Felsen gemeißelte Jahreszahl 1556 lässt aber darauf schließen, dass schon früher an dieser Stelle ein Haus stand. Der Grund für die Wahl eben dieses Platzes war nach alter Überlieferung das Vorhandensein einer Quelle und die sonnige, geschützte  Lage am Felsen. Die heutige Gestalt mit den zwei Obergeschossen in Holzblockbauweise erhielt das zu dieser Zeit "Finkensteinbehausung" genannte Gebäude im Jahr 1631 vom damaligen Besitzer Bärtlmä Khranabethvogl, der ebenfalls als Choralist für das Stift Berchtesgaden tätig war. Im Deckentram der Stube des ersten Obergeschosses ist kunstvoll die Jahreszahl 1631 eingeschnitzt und auch im Firstbalken (in Berchtesgaden "Hohdiebock" genannt) findet man sie und die Initialen PK für Pärtlmä Khranabethvogl. In weiterer Folge bewohnten Handwerker, Gerichtsschreiber, Bürgermeister, Maler und Juristen das Haus. Stets war die unmittelbare Nähe zum Stift, Schloss, Rathaus und auch dem früher im Nachbargebäude untergebrachten Bezirksgericht ein besonderer Vorzug des Hauses, ebenso wie die sonnige Aussichtslage hoch über dem Markt Berchtesgaden.
Große Veränderungen an der Außenansicht fanden in den letzten 400 Jahren nicht mehr statt. Im Inneren wurde das Haus aber stets auf den der Zeit entsprechenden Stand was Sanitäreinrichtungen und Komfort betrifft gebracht, und galt immer als besonders modern ausgestattet. Es ist in seiner Grundsubstanz erstaunlich gut erhalten geblieben und besonders die alten Tramdecken, die historischen Füllungstüren und die Kastenfenster zeugen von jahrhundertelanger Geschichte und vom sorgsamen Umgang mit den handwerklichen Meisterwerken.

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Hofmusikerhaus Winter 1947

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Die Nachbars-Kinder vorm Sommerhäuschen 1940

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Alte Ansicht aus dem Jahr 1938

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Hofmusikerhaus im Sommer 1934

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Hofmusikerhaus im Sommer 1938

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Grundsteuer-Kataster aus dem Jahr 1860

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Bericht im Berchtesgaden Anzeiger aus dem Jahr 2005

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Bericht in der Beilage "Bergheimat" des Berchtesgaden Anzeiger aus dem Jahr 1955

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Bericht in der Beilage "Bergheimat" des Berchtesgaden Anzeiger aus dem Jahr 1955

Besonders zu erwähnen sind zwei bekannte Maler mit Bezug zum Hofmusikerhaus:


Der eine, Adalbert Waagen, war Besitzer des Hofmusikerhauses und hatte hier von 1868 bis zu seiem Tod 1898 sein Atelier und oberhalb sein Wohnhaus. Prinzregent Luitpold verlieh ihm 1891 den Ehrentitel eines Königlichen Professors. Sein Grab findet man im Alten Friedhof von Berchtesgaden.

Bekannt ist Adalbert Waagen für seine idealtypischen Ansichten von Landschaften und Gebirgsmotiven und einige seiner Werke werden heute im Martin von Wagner Museum der Universität Würzburg und im Münchner Stadtmuseum gezeigt.

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Der zweite Maler, der im Zusammenhang mit dem Hofmusikerhaus genannt werden soll, ist der bekannte chinesische Maler Huang Yongyu. Sein Malstil vereint Elemente der traditionellen chinesischen Malerei mit expressionistischen, modernen Elementen. Bekannt wurde er durch das Motiv der Eule mit einem geschlossenen Auge, er wurde dafür wegen angeblicher Verunglimpfung von Mao Zedongs Witwe angeklagt und konnte bis zum Umsturz nur im geheimen malen. Heute zählt er zu den renommiertesten Künstlern Chinas und ist weltweit bekannt. Im Oktober 1993 verbrachte er während einer Europareise einige Zeit in Berchtesgaden und dabei entstand das Bild vom Hofmusikerhaus und den Türmen der Stiftskirche. Die Vorbesitzerin des Hauses, Frau Drossbach, konnte das Bild glücklicherweise erwerben und es befindet sich jetzt in unserem Besitz.

HUANG YONGYU: "Stiftskirche am Doktorberg"

 

"Als ich heute morgen aufstand, machte ich mir Mut, allein nach Berchtesgaden zu wandern. Ich musste die Rostwaldstraße hinauf, liess die Autos an meinem Körper vorbeisausen. Als ich dann aber über die Höhe gekommen war und noch um die Kurve schritt, sah ich diesen Blick und freute mich, angekommen zu sein"

Huang Yongyu, 17.09.1993

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